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  • Jürgen Petersen

Ein gutes Team ist ein perfektes Rudel // ...oder umgekehrt

Aktualisiert: 16. Dez 2018


Erfolgreiche Teams und Wolfsrudel haben vieles gemeinsam. Ein Blick auf die Wölfe und Ihr Rudel-Verhalten hilft uns, bei der Teamzusammenstellung von Grund auf einiges besser zu machen. Wichtig ist, zu verstehen, dass es die unterschiedlichen Sozialcharaktere der Wölfe im Rudel ebenso bei uns Menschen gibt.


Wir sind in unserem beruflichen Denken und Handeln immer noch stark hierarchisch getrieben: Je höher auf der vermeintlichen Erfolgsleiter jemand steht, desto mehr Ansehen genießt er und desto höher ist auch sein Gehalt. Gleichzeitig wird Reserviertheit meist als Fehler, als Makel angesehenen - Erfolg wird mit Durchsetzungsvermögen und Führungsstärke gleichgesetzt. Zu viel Gewicht wird auf Macht gelegt, viel zu wenig auf Kooperation und Kommunikation.

Dazu kommt als Ursache für viele Konflikte zwischen den Mitarbeitern eine mangelnde Selbstreflexion und eine schlechte Selbstwahrnehmung. Eine eher fehlgeleitete gesellschaftliche Erziehung führt zu einem Ego, das nicht im Team spielt. Denn Team heißt auch, sich zurücknehmen, abwarten, Publikum sein, den anderen Menschen Raum bieten. Aber wie soll sich das Selbstbild auch gut entwickeln können, wenn gerade wir Deutschen uns doch mit direktem, persönlichem Feedback oft so schwer tun.

Unser natürlicher Charakter entspricht nur selten der Position und der Aufgabe, die wir in einem Team in unserem beruflichen Umfeld haben. Klar, dass es nicht nur ein ungutes Gefühl ist, wenn man in einer für sich unter- oder überfordernde Rolle schlüpfen muss, sondern das Team als ganzes auch nicht den Erfolg liefert, den die anderen erwarten. Aggression und Stress ist bei Mitarbeitern häufig dann zu beobachten, wenn sie sich in Rollen wiederfinden und behaupten müssen, die Ihrem Wesen nicht entsprechen, für die sie aus rein menschlichen Gründen nicht ausreichend befähigt sind, auch wenn sie vielleicht das entsprechende Know-how besitzen.

Daher ist es aus vielen Gründen fatal, wenn Mitarbeiter auf falschen Positionen sitzen: Es wird spannungsreich, die Arbeit ist oft erfolglos oder zumindest nicht so erfolgreich, wie sie sein könnte, und obendrein auch noch teuer.

In manchen Unternehmen ist die Teamleitung eine Stufe in der Hierarchie und wird nur aufgrund des höheren Gehalts angestrebt. Keiner schaut hier wirklich nach Befähigung und Können.


Schauen wir uns die soziale Welt der Wölfe an und lesen ein Zitat von Shaun Ellis aus Cornwall von der Colwood Farm, dem "Wolf and Dog Development Centre": "Ein guter Manager oder Teamleiter muss nicht laut oder streng sein, sondern vor allem sozial und emotional kompetent. Jemand, der seine Teammitglieder nach ihren Stärken bewerten und einsetzen kann."

Interessanterweise übernehmen Wölfe in einem Rudel schnell die Rolle, die ihnen von Natur aus am besten liegt, ihre Persönlichkeit am besten spiegelt.


Ein Team muss nicht nur gut eingespielt sein, sondern es müssen auch viele unterschiedliche Rollen im Team besetzt sein. Weiterhin ist es von Vorteil, wenn die Teammitglieder um ihre Rolle wissen und ebenso sich der Erwartung der anderen Teammitglieder bewusst sind. Das ist auch die Vorbedingung für eine gegenseitige Wertschätzung. Denn jedes erfolgreiche Team braucht Wertschätzung - für jede Rolle und Aufgabe und von jedem Teammitglied, wozu selbstverständlich auch der Leitwolf gehört. Wenn ein Team als Tribe oder auch als Rudel funktioniert, laufen Projekte erfolgreicher und innovativer.

Aus meiner Sicht ist meine Aufgabe als Teamleiter oder Manager, zu spüren, wenn ein Teammitglied sich unwohl fühlt und nicht die erwartete Leistung erbringt. Dann gilt es zu analysieren, Gründe und Ursachen zu suchen, durch vorsichtige Gespräche an die Person heranzukommen und sich hineinzudenken und hineinzuversetzen. Was steckt dahinter, was sind die Hindernisse? Nur ein ausgeglichenes Team ist ein gutes Team.


A tribe called team


Ob nun Team oder Rudel oder Tribe der passende Begriff ist. Meiner Meinung nach ist es an der Zeit, nicht mehr Teams für ein Projekt zusammenzustellen, sondern ein sehr gut funktionierendes, eingespieltes Team nicht hinsichtlich der Besetzung anzurühren. Es kann immer durch Außenstehende - ob wirklich Externe oder andere Mitarbeiter aus dem gleichen Unternehmen - projektbezogen ergänzt werden. Aber ein hochperformantes Team kann sich nur als Einheit weiter entwickeln und noch besser werden, wenn es über einen langen Zeitraum zusammen arbeitet und die Personen sich immer besser kennen lernen.

Legen wir wesentlich mehr Wert auf eine gute, feinfühlige Teamzusammenstellung, die Mitarbeiter nicht mehr nur als sich über Skills-definierte Ressource ansieht, sondern nehmen uns die Zeit und machen uns die Mühe mindestens ebenso die menschliche und soziale Seite kennenzulernen und in die Entscheidung deutlich mit einfließen zu lassen.


Hauptrollen und Spezialisten


Welche Hauptrollen gibt es im Wolfsrudel? Welche in einem guten Team?

  • Der Entscheidungsträger Er ist eher ausgeglichen und nachdenklich, trifft Entscheidungen zum Wohl des Teams. Gleichzeitig ist er oder sie aber auch selbstbewusst, hat Erfahrung und die Persönlichkeiten seines Teams auch durch seine hohe Auffassungsgabe gut.

  • Der Beschützer/Vollstrecker Ein starker, manchmal auch lauter Charakter mit Beschützerinstinkt. Mutig, kühn - ein Macher! Ebenso ist die Person aber auch feinfühlig, loyal und vertrauenswürdig. Natürlich ist er ein Vertrauter des Entscheidungsträgers.

  • Der Tester Eine energiegeladene, oft sehr intelligente Person, die keine Veränderungen mag. Sie fühlt sich für geregelte Arbeitsabläufe und Prozesse verantwortlich und sorgt sich um ein breites Streuen aller Informationen.

  • Der Mannschaftsspieler Er erledigt seine Aufgaben sorgfältig, ist verlässliches Back-Up des Teams. Seine Kontaktfreude und Umgänglichkeit machen es ihm einfach, Teil der Gruppe zu sein. Er fordert klare Prozesse und Strukturen.

  • Die Wächterin Ihre Grundnervosität, ihre scheue und sensible Art sind für ihree Rolle sehr wichtige Eigenschaften. Auf dieser Basis kann sie gut analysieren und Zusammenhänge erfassen. Im Fall von Gefahr macht sie markant auf sich aufmerksam. 

Dazu kommen noch Spezialisten:

  • Die Nanny Als Vertrauensperson für andere Mitarbeiter benötigt sie Ruhe, Ausgeglichenheit und Toleranz, aber auch viel Erfahrung.

  • Die Jägerin Reaktionsschnelligkeit gepaart mit einer hohen Aufmerksamkeit machen sie aus. Eine gute Auffassungsgabe und immer wie von Energie geladen sind die perfekte Ergänzung.

  • Die Schlichterin Eine klare Rolle mit zu erwartenden Fähigkeiten: Ruhig und ausgeglichen vermittelt sie in Konfliktsituationen. Sie wird von allen kolleginnen und Kollegen sehr geschätzt und ist eine einfühlsame Vertrauensperson.

  • Der einsame Wolf Ein nervenstarker Typ, der aber gerne sowohl im Beruflichen als auch im Sozialen Grenzen auslotet. Er ist anpassungsfähig und flexibel, aber auch nervenstark. Das alles führt dazu, dass er sehr flexibel einsetzbar ist.


Namen und Quellennachweis

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