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  • Jürgen Petersen

Live is always beta!

Fünf Tage Design Thinking Master Class - fünf Tage nach dem Motto Lernen-Ausprobieren-Begreifen-Umsetzen. Und wozu?

Früher war alles besser

Unser Leben verändert und entwickelt sich immer schneller und intensiver. Gestern fanden wir es noch cool, dass wir etwas im Internet bestellen konnten, das dann prompt geliefert wurde. Heute müssen wir in manchen Läden nicht mehr an der Kasse warten und persönlich bezahlen. Wir gehen einfach raus! Unser Waschmittel ist alle? Das ist einfach, es reicht ein Knopfdruck! Ich bin mir bei der Auswahl und Entscheidung im Laden nicht sicher? Kein Problem, ich frage schnell meine Freunde und schicke ein Bild! Same day delivery? Immer einen Gedanke wert... Viel andere Optionen werden hier noch auf uns zukommen und unser Leben sicherlich angenehmer machen.

Aber ständige Veränderungen bedeuten, der Zyklus des Neuen dreht sich in immer kleineren Kreisen, unsere Anpassungsfähigkeit als Verbraucher aber auch Arbeitskraft wird immer stärker gefordert.

Nur die besten Zutaten

Fünf Tage Abtauchen in eine neue Methode - vielleicht sogar Denkweise, ja fast "Religion" - haben mir einen weiteren Ansatz nahe gebracht, nicht der Geschwindigkeit Herr zu werden, aber in dieser beschriebenen Welt anwendernah und im wahrsten Sinne des Wortes brauchbare Produkte und Lösungen zu entwickeln. Das hat der Workshop auf jeden Fall erfolgreich und gut vermittelt.

(Vielen Dank an dieser Stelle an die beiden erfahrenen und absolut empfehlenswerten Coaches Anastasia Gramatchikova und Anne-Catarina Walk! Sehr intensiv, steile Lernkurve und viele eindrucksvolle Erfahrungen!)

Bereits im Workshop fühlte ich mich an das Henne-Ei-Problem erinnert: Ist unsere Gesellschaft, unsere Arbeit und das Handeln als Erstes so schnell geworden oder waren es die neuen Prozesse, Methoden und Denk-Ansätze, die die Geschwindigkeit erst erzeugt und möglich gemacht haben?

Denn neben Design Thinking sind auch Lean Management und Agilität Aspekte des Managements und unserer Arbeit, die in eine ähnliche Richtung zielen. Sie scheinen im Vergleich zum Wasserfall-Modell ein evolutionärer Schritt nach vorne zu sein. Wie alles Neue (naja, nach 20 Jahren...) haben sie das Glück, gleich mit den Attributen "besser", "passender" und "leistungsfähiger" besetzt zu werden. Wasserfall war gestern. Und ebenso sind starre und altmodische Führungskonzepte meist viel zu langsam, um in unserer schnelllebigen Zeit mithalten zu können. Hauptsache dynamisch statt statisch ist das Credo.

Vergleich Lean Management, Agilität, Design Thinking

Werfen wir einen genaueren Blick auf die Methoden.

Lean Management ist ein übergeordneter Begriff für die Gesamtheit von Denkprinzipien, Methoden und Prozessen für eine effiziente Gestaltung der gesamten Wertschöpfungskette industrieller Produkte und Leistungen.

Agile Methoden wie Kanban oder Scrum werden schnell an selbstorganisierten Teams und einem sowohl iterativen als auch inkrementellen Vorgehen erkannt. Der bürokratische Aufwand wird gering gehalten, Regeln stark reduziert. Der Wille zur ständigen Veränderung im Sinne der Verbesserung liegt allem Handeln inne. Um das zu gewährleisten, benötigt das Team ein hohes Maß an Transparenz, Flexibilität und Entscheidungsfreiheit. 

Design Thinking ist ein Ansatz, der uns bei der Problemlösung und Entwicklung neuer Ideen hilft. Ziel ist es, Lösungen zu finden, die aus Sicht des Anwenders passend und überzeugend sind. Wikipedia sagt weiter darüber: "Im Gegensatz zu anderen Innovationsmethoden kann bzw. wird Design Thinking teilweise nicht als Methode oder Prozess, sondern als Ansatz beschrieben, der auf den drei gleichwertigen Grundprinzipien Team, Raum und Prozess besteht."

Evolution?!

Meiner Meinung nach ist der evolutionäre Schritt nicht der von Wasserfall über Agile und Lean hin zu Design Thinking. Der evolutionäre Schritt ist, dass wir uns vom Wasserfall lösen und flexibel werden: Wir betrachten in jeden neuen Projekt, in jeder Herausforderung, der wir uns stellen, die aktuelle Situation und die Rahmenbedingungen, um dann eine Vorgehensmethode auszuwählen. Am besten sogar eine Mischung aus verschiedenen Welten. Nur so werde ich der Komplexität unserer Welt Herr und kann allen Anforderungen und Rahmenbedingungen gerecht werden. (Aber Achtung: Dazu gehört auch das Wasserfall-Modell! Auch "Wasserfall" kann ein sinnvolles Werkzeug sein!)

Daraus folgt, dass der perfekte Projektmanager in der heutigen Zeit ein hohes Maß an Methoden-Wissen haben muss. Es ist nicht unbedingt seine Aufgabe, die Methode auszuwählen, aber den Auswahlprozess aktiv zu begleiten und die beteiligten Personen anzuleiten. Mit diesen muss dann eine Entscheidung getroffen werden; Das sehe ich als seine oder ihre Aufgabe. Und bereits dafür ist ein neues Mindset notwendig: Offenheit, Transparenz, ein sehr hohes Kommunikationsvermögen und natürlich eine umfangreiche Methodenkenntnis. 

Modernes Mindset

Dieses Mindset, das alle drei Wege - Lean, Agile, Design Thinking - ausmacht, ist mit wenigen Begriffen schnell umschrieben: Eine positive Grundeinstellung, man sieht das gemeinsame Ziel im Team-Erfolg, Wissenshunger, Pragmatismus und die Bereitschaft Fehler zu machen, aber auch anderen zuzugestehen. 

Alle Beteiligten sind sich im Klaren darüber, dass man das Ziel nicht mehr feingranular formuliert. Es gibt kein Lasten- oder Pflichtenheft. Aus diesen wird auch kein Projektplan erstellt oder gar das Budget berechnet. Ziele, Inhalte und der Weg sind nicht vollumfänglich planbar. Projekte sind ein kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess, den alle Beteiligten mitgestalten.

Live is always betaDas ist damit meine Devise: Wir werden - auch durch Design Thinking - immer weiter testen, immer weiter Produkte feinschleifen und durch schlaue Sensoren und moderne Kommunikationswege schnell Feedback erhalten und mit dem neuen Wissen noch schneller noch besser werden. Dieser Gedanke ist aber vom Grundsatz her nicht neu!

Wer sich einmal mit der Software-Entwicklung im Open-Source-Bereich beschäftigt hat, wird es wissen. Wikipedia stellt es gut dar: "Oftmals ist es – vor allem bei Open-Source-Software – der Fall, dass sich die Versionsnummern von Programmen oder Systemen noch vor der Version 1.x befinden. Dies deutet jedoch nicht zwingend darauf hin, dass die Entwicklung noch nicht weit fortgeschritten ist, sondern eher, dass die Version noch nicht das von den Entwicklern gesteckte Ziel erreicht hat und sich weiterhin in der Entwicklung befindet. Teilweise gibt es sogar Open-Source-Programme, die - obwohl sie den Alpha- und Beta-Status längst verlassen haben - weiterhin noch unterhalb der Version 1.0 versioniert sind." Die Open-Source-Entwickler wussten es schon immer: Gute Produkte sind nie fertig.

Darüber hinaus mussten wir schon vor Jahren feststellen, dass wir selbst auf dem Arbeitsmarkt nur dann Erfolg haben und gesehen werden, wenn wir uns weiterentwickeln, wenn wir rauskommen aus dem Nachkriegsverhalten, dass man einen Beruf lernt, sich in diesem langsam weiter entwickelt, bevor man die verdiente Rente genießt.

Wir leben selbst schon längst das Prinzip des ewigen Lernens, der ständigen Weiterentwicklung und Veränderung. Leben heißt lernen und unsere Umgebung, unsere Werkzeuge und Alltagsprodukte ziehen nur nach. Daher ganz klar die Devise "live is always beta!"



Quellen:

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